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Ich denke an alles, er an nichts – warum Mental Load nicht an dir liegt


4–6 Minuten

Lesezeit

Mental Load bei Müttern – Beitragsbild von Mamazeit mit Leichtigkeit

7:32


Der Große muss los, um acht fängt die Schule an. Der Kleine schläft noch – zweieinhalb, selig, bis Viertel vor acht. Und ich stehe schon jetzt da und weiß genau, wie die nächsten dreizehn Minuten laufen werden.

Er wacht auf. Er weint. Er will die Hose nicht, dann doch, dann wieder nicht. Ich habe den Schulranzen in der einen Hand, das weinende Kind im anderen Arm, und in meinem Kopf läuft diese Liste weiter, die nie, nie aufhört.

Ich liebe dieses Kind mehr als alles. Aber dieses Weinen, in genau diesem Moment, halte ich nicht aus.

„Reiß dich zusammen.“

— sage ich mir selbst, leise, während ich die Schuhe zubinde.

Als wäre ich das Problem.

Die Arbeit, die man nicht in den Wäschekorb legen kann

Ich war an diesem Morgen schon seit dem ersten Wachwerden im Einsatz. Nicht mit den Händen – mit dem Kopf.

Wer braucht heute was. Ist die Sportsachen-Tasche gepackt. Wann ist der Zahnarzt. Werden die Schuhe vom Kleinen langsam zu eng. Müssen wir Milch holen. Wann schreibe ich der Erzieherin zurück. Hat der Große sein Pausenbrot.

Das ist keine Arbeit, die man sieht. Keine Wäsche, die im Korb liegt, kein Geschirr im Spülbecken. Es ist das Daran-denken. Und genau weil man es nicht sieht, kann man es auch nicht zeigen. Man kann nicht sagen: Schau, das hier trage ich gerade, die ganze Zeit, jeden Tag.

Man trägt es einfach. Allein.

„Dann geh du doch arbeiten“

Einmal habe ich es gesagt. Habe mich aufgeregt, habe gesagt, dass ich nicht mehr kann, dass ich alles im Kopf habe und keiner es merkt.

Und die Antwort war nicht Was kann ich dir abnehmen.

„Dann geh du doch arbeiten und ich bleib mit den Kindern.“

Ich weiß noch, wie ich dastand. Weil dieser Satz so komplett am Punkt vorbeigeht. Es geht nicht darum, wer zu Hause ist. Es geht darum, dass eine Person den ganzen unsichtbaren Apparat im Kopf am Laufen hält – und die andere ehrlich glaubt, sie könnte morgen einfach übernehmen. Ohne zu wissen, wo die Ersatzschuhe liegen. Ohne zu wissen, dass der Kleine ohne sein Mittagsschläfchen abends nicht mehr zu gebrauchen ist.

Und das Schlimmste: Es ist nicht mal böse gemeint. Er sieht es einfach nicht. Hat nie gelernt, es zu sehen.

Mental Load abgeben: 3 Sätze, die bei uns wirklich etwas verschoben haben

Lange dachte ich, ich müsste mich besser organisieren. Mehr Listen. Bessere App. Mehr Disziplin. Ich habe die Last nur immer effizienter ganz allein getragen – und mich gewundert, dass ich abends leer war.

Bis ich ein paar Dinge anders gemacht habe. Klein, unbequem, aber sie haben etwas verschoben:

Ich habe aufgehört zu fragen „kannst du mal helfen“. Stattdessen: „Der Geschirrspüler gehört ab jetzt dir. Ein- und ausräumen. Komplett.“ Eine ganze Sache, die aus meinem Kopf verschwindet. Nicht halb. Ganz.

Ich habe ihm die Kinder gegeben – nicht weil ich nicht konnte, sondern damit ich eine Sache einmal zu Ende bringen darf, ohne dreimal unterbrochen zu werden. Ein Tag, an dem du eine Sache wirklich beendest, fühlt sich anders an.

Und ich habe einmal alles aufgeschrieben, was ich im Kopf trage. Wirklich alles. Nicht für eine schönere Liste – sondern um endlich zu sehen, wie viel das eigentlich ist.

Der Satz, den ich nie wieder sage

„Sag mir einfach Bescheid.“

Vier Wörter. Freundlich gemeint, freundlich gesagt – und trotzdem der Satz, der bei uns am meisten Schaden angerichtet hat.

Denn er klingt nach Unterstützung, verschiebt die Arbeit aber zurück zu mir. Ich muss wissen, was ansteht. Ich muss den richtigen Moment abpassen. Ich muss fragen, erklären, nachhaken. Er wartet darauf, dass ich ihm sage, was zu tun ist. Das Tun gibt man so ab. Das Denken bleibt.

Seitdem sage ich einen anderen Satz – und zwar nicht in dem Moment, in dem ich schon am Limit bin, sondern abends, wenn beide Kinder schlafen:

„Such dir einen Bereich aus, den du ab jetzt komplett übernimmst. Nicht nur das Ausführen. Auch das Daran-denken.“

Der Unterschied ist größer, als er klingt. „Sag Bescheid“ macht ihn zum Helfer und mich zur Projektleitung. Ein eigener Bereich macht ihn zuständig – auch für das, was vorher in meinem Kopf lief.

Kein Wunder, dass ich müde war.
Ich war nie das Problem.
Ich habe nur viel zu viel allein getragen.

Wenn du das hier liest und nickst

Dann kennst du diesen 7:32-Uhr-Moment. Auf deine Art, mit deinen Kindern, deinem Satz, den dir mal jemand an den Kopf geworfen hat.

Fang nicht mit allem an. Fang mit einer einzigen Sache an, die komplett rübergeht – das Tun und das Daran-denken. Eine Sache weniger im Kopf verändert mehr, als eine bessere Liste es je könnte.

Und wenn du dabei merkst, dass du gar nicht sagen kannst, was da eigentlich alles in deinem Kopf liegt: Genau dafür habe ich den Rucksack gemacht.

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Stell dir den nächsten Morgen vor.
7:32 Uhr – und dein Kopf ist leiser.
Nicht weil du mehr schaffst. Weil du weniger allein trägst.

Du machst das nicht falsch.
Du machst es nur viel zu lange allein.

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8 Kommentare zu „Ich denke an alles, er an nichts – warum Mental Load nicht an dir liegt“

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  4. […] trägst so viel. Den Plan, die Stimmung, das Denken an alles. Leg heute einen Teil davon […]

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  8. […] daran denkst, hört das Geräusch in deinem Kopf auf. Wie du das konkret ansprichst, habe ich in diesem Beitrag […]

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